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Mo 16.1.2012 22.43 Uhr | Jürgen Schmidt
Geschichte | Kindheitserinnerungen
Edewechter Erinnerungen 58-64
Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können! War der Edewechter Bahnhof zu baufällig oder zu alt? Warum steht dann die Kirche noch?
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ArtikelGhana - Ein kleines Stück von AfrikaBetreffGhana-BerichtDatum1.12.2011, 20:32 UhrAutorJürgen SchmidtTextWeiterlesenHallo Carmen,
einen schönen Bericht hast du da geschrieben. Du hast Recht, Ghana ist kein klassisches Urlaubsland.Das hängt mit den vielen korrupten Regierungen zusammen, gegen die durch die Weltorganisation fast nichts getan wird.Umso beachtenswerter ist deine Reise dorthin! Ich war einmal in Takoradi und zweimal in Accra, ist aber schon 50 Jahre her. Heute sieht es dort sicher anders aus als damals. Habe 59/60 ein Jahr im Kongo gelebt und darüber ein Buch geschrieben. Mehr dazu findest du bei Facebook oder "Jürgen Schmidt Wilhelmshaven"
Bist du verwandt mit Rainer oder Johann Deeken? Mit Rita Deeken bin ich in Edewecht zur Schule gegangen.
Herzlichst aus Wilhelmshaven J.Schmidt -
BetreffGhana-BerichtDatum1.12.2011, 20:32 UhrAutorJürgen SchmidtTextWeiterlesenHallo Carmen,
einen schönen Bericht hast du da geschrieben. Du hast Recht, Ghana ist kein klassisches Urlaubsland.Das hängt mit den vielen korrupten Regierungen zusammen, gegen die durch die Weltorganisation fast nichts getan wird.Umso beachtenswerter ist deine Reise dorthin! Ich war einmal in Takoradi und zweimal in Accra, ist aber schon 50 Jahre her. Heute sieht es dort sicher anders aus als damals. Habe 59/60 ein Jahr im Kongo gelebt und darüber ein Buch geschrieben. Mehr dazu findest du bei Facebook oder "Jürgen Schmidt Wilhelmshaven"
Bist du verwandt mit Rainer oder Johann Deeken? Mit Rita Deeken bin ich in Edewecht zur Schule gegangen.
Herzlichst aus Wilhelmshaven J.Schmidt
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Geschrieben am 10.7.2011 um 13.16 Uhr
Geschrieben in Das Ende des Hausschweins Heinivon Jürgen Schmidt Arbatax/Sardinien 2008 Auszug aus Edewechter Erinnerungen Das Ende des Edewechter Hausschweins Heini Er kam mit zwei Pedalumdrehungen in der Sekunde die Janstraße herunter geradelt, was daraufhin deutete, dass der Zeitpunkt der vereinbarten Tötung des mössnerschen Hausschweins Heini längst überschritten war. Seine Absicht, in einem eleganten Bogen in die Kirchensiedlung einzubiegen, konnte nicht gelingen, da er die physikalischen Kräfte völlig unterschätzte. Die Straße ging ihm aus und er landete mit weit ausgestreckten Armen saltoartig in der dort seit zwei Jahren gedeihenden Thujahecke des mössnerschen Übernachbarn Heini Jakobi. Dort am Eingangstor zum Jacobigarten befand sich der zwölfjährige mössnersche Enkel Jürgen, später besser bekannt unter dem Spitznamen Smarty. Er war dorthin beordert von seiner Oma Alwine, in dem Glauben, die Verspätung des Hausschlachters durch intensives Beobachten der Janstraße verkürzen zu können. ?Moin Onkel Oellien!? meinte dieser voller Bewunderung ob des gewaltigen Saltos mit extrem heiterer Miene. Dieser kollidierte Hausschlachter war kein Geringerer als Fritz Oellien aus Süd-Edewecht, auch Hermann Oellien Fied genannt. Eigentlich war er ein guter, durchaus beliebter Bürger Edewechts. Seine Zugehörigkeit zu mehreren dörflichen Vereinen bezeugte seinen Sinn für harmonische Gemeinschaft. Allerdings, an diesem Tag war es nicht so doll mit seiner Harmonie. ?Oma hat auch noch ne Flasche Klaren?, meinte der kleine Schmidt ihm mitteilen zu müssen. ?Ick bruuk jetzt kien Schnaps, help mi man up und sök mien Kram tosohmen?, krächzte Fidi, der umständlich damit begonnen hatte, die unbequeme Hecke zu verlassen. Da sich der Verschluss seiner Aktentasche von der Sattelstange gelöst hatte, waren die darin befindlichen Arbeitswerkzeuge weit und breit verstreut. Darunter befanden sich zwei Furcht erregende Messer, zwei kegelartige Blechbecher mit Rundhaken, eine Knochensäge, ein blechernes Schnapsglas ohne Eichstrich, mehrere Bündel Bindfäden, sowie diverser kleinerer und größerer Wurstdärme. All diese Dinge sammelte der kleine Smarty ein und verstaute sie wieder in Fidis Aktentasche. ?So min Jung, nu wat aber Tied?! meinte Fidi und stellte sich mit seinem linken Bein auf das linke Pedal seines auferstandenen Fahrrads, während er sich mit dem anderen Bein einen kräftigen Schubs gab. So rollte er die letzten fünfzig Meter leicht abschüssig mössnerwärts. ?Bitte umgehend folgen!? forderte er Smarty dabei auf, ohne sich aber umzudrehen. Hervorgerufen durch einen etwa dreißig Zentimeter langen Riss in seiner Hose, entstanden beim Verlassen der Hecke, flatterte diese wie eine Fahne im Wind. Smarty folgte wie befohlen mit raumgreifenden Schritten. ?Kiek, dor bist du jo,? stellte Alwine fest, die Oma Smartys und zu einem Drittel Mitbesitzerin des zu tötenden Schweins. Ihr vorwurfsvoller Blick erinnerte Fidi sofort daran, dass er sich enorm verspätet hatte. ?Bi mi hätt de Koh kalft,? meinte er, sich entschuldigen zu müssen. Immerhin hatte er Alwine vor sich, mit der war nicht zu spaßen. Er kannte sie aus der Zeit, als sie noch Wirtin der Bahnhofsgaststätte war, wo sie manchen hart gesottenen Viehhändler Manieren beigebracht hatte. Der kleine Smarty fand diese Ausrede große Klasse und überaus glaubwürdig. Auch er brauchte immer wieder gute Ausflüchte, bei der alles kritisch kontrollierenden Oma. Ihre alte Gastwirtsnase registrierte relativ schnell, dass Fidi die Geburt seines Kalbes wohl gefeiert haben musste. ?Ick mok er?s mol n`Koffee, Schluck gift dat, wenn dat Schwien dor hangt?, warnte sie Fidi. Ihr Mann und Pensionär Rudolf hatte in der rechten Sofaecke sitzend schon Kaffee getrunken und verharrte dort in freudiger Erwartung des einen oder anderen Schnapses. Immer dann, wenn jemand erschien, kam auch er zu einem Schnaps. Sogar den Briefträger Erich Albers hatte er aufgefordert, auch dann kurz ins Haus zu kommen, wenn er keinen Brief für sie habe. Nun musste er sich doch noch gedulden, höchst unangenehm. ?De Ledder is all klor un dat Woter is heet!? meinte Alwine. Diese Feststellung klang wie ein Befehl, der keinen Aufschub duldete. ?Ja man to, denn lat us den Buck man dootmoken !? forderte Fidi uns auf. Alle erhoben sie sich und begaben sich in Richtung Schweinestall. Halb dort angekommen, fragte Fidi augenzwinkernd Smartys Opa: ?Na Rudolf, het dat Swien dit Johr uck wedder Heini?? wohl wissend, dass bei Rudolf nach 1945 jedes Ferkel auf den Namen Heini getauft wurde. Dieser Umstand rührte von dem Vornamen eines Nazis her, der Rudolf in der Zeit des dritten Reichs das Leben schwer gemacht hatte und den er deshalb hasste wie die Pest. ?Ein Schwein bleibt immer ein Schwein, erst Recht wenn es Heini heißt! sagte Rudolf lapidar. Im Stall angekommen, macht Fidi seine Tötungsutensilien klar und stellte fest, dass sein Bolzenschussgerät fehlte. ?Jung, kiek mol bi Jakobi an Haag, dor wo ick koppeister mokt hebb, ob dor woll mien Bolzenpüster lich, loop gau hin!? verlangte Fidi von Smarty. Schnell kam der zurück und versicherte, dort alles sorgfältig abgesucht, jedoch nichts gefunden zu haben. Fidi gab sich enttäuscht. ?Jo dann krich he dat Biel vörd`n Kösel!? entschloss er sich spontan. ?Holt denn Buck man inne Waschkök,? forderte er Rudolf auf. Der schaute seinen Enkel an und fragte: ?Wusstest du, das Heini ein Bock ist, ich ging immer davon aus, dass ich ein Schwein fett gemacht habe.? Smarty hielt es nicht für zwingend notwendig, diese Frage zu beantworten, er kannte den Sarkasmus seines Opas. Der führte jetzt Heini vom Stall in die Waschküche. Dabei redete er fast liebevoll auf das Tier ein. Dort angekommen, war es aus mit der Bereitschaft des Tieres, mannhaft oder sauhaft in den Tod zu gehen. Vielleicht hat es aber auch Fidi wahrgenommen, der leicht schwankend, wie eine Edeltanne im Wind und mit einer riesigen Axt in der Hand, dem Schwein vermitteln wollte, dass er lediglich die Absicht habe, dessen Klauen zu beschneiden. Oft ist ihm das vielleicht gelungen, nicht in diesem Fall, denn Heini gebärdete sich sehr aufgeregt und sein gemütliches Grunzen ging alsbald in übles Geschrei über. ?Hol um anne Ohren faß, und de Jung schall de Achterbeen griepen und faßholen!? forderte Fidi uns auf. Mit viel Aufwand gelang es Rudolf, Heinis Kopf zwischen seine Beine zu bekommen. Mit großem Mitgefühl beobachteten die beiden Todeshelfer jetzt, wie Fidi die Axt zurück schwang und urplötzlich mit der Stumpfseite nach vorne, in Richtung Schweineschädel sausen ließ.. Leider traf er nicht mittig, sondern mehr die linke Seite des Kopfes, den Bereich des Auges. Es war nicht sofort feststellbar, ob der Grund dieses Fehlschlages eine Rettungsbewegung Heinis war, oder mangelnde Zielgenauigkeit des Zuschlägers. Eigentlich konnte Fidi gut zielen, denn immerhin war er schon Schützenkönig und zweimal Adjutant im örtlichen Schützenverein geworden. ?Zweiten Schlag Fidi, schnell den zweiten Schlag!? munterte Rudolf ihn jetzt lautstark auf. Aber in Todesangst, oder vor Schmerzen, schrie das bedauernswerte Tier so laut, das Fidi diese Aufforderung gar nicht verstehen konnte. Dennoch hatte er sich sehr schnell gedreht, stand jetzt breitbeinig mit dem Rücken zu Heini auf zwei Holzkisten und schlug nach vorne zwischen seine eigenen Beine hindurch, wo sich der Kopf Heinis befand, den Rudolf mit seinen Beinen zu fixieren versuchte. Smarty lag jetzt hinter dem Schwein auf dem Boden der Waschküche und hielt, so gut es ging, die Hinterbeine des tobenden Tieres. Aber dieser zweite Schlag ging völlig daneben. Fidi traf mit voller Wucht das Knie Rudolfs, der augenblicklich lauter schrie als Heini. Fidi gab sich schockiert und stand mit grünroten zusammengekniffenen Augen da und starrte mit irrem Blick Rudolf an. Dessen Geschrei war jetzt in gedämpfte Flucherei übergegangen. Mit flatternden Knien zog er gierig an seiner Weißen Eule. Wohl aus Angst vor dem nächsten Schlag mit der großen Axt, setzte Fidi nunmehr in einer Ruhephase einfach einen Rudolfs Werkzeugkiste entnommenen Dorn auf die Stirn Heinis und schlug mit einem Hammer darauf. Augenblicklich fiel das Tier zappelnd um und es herrschte große Ruhe in der Waschküche. ?Kellt dat Knee Rudolf?? fragte jetzt Fidi besorgt. Der hat diese Frage nicht beantwortet, denn die Stalltür wurde aufgerissen und Alwine erschien mit dem versprochenen Schnaps. ?Kiek an, häs um dat Oog ruthaut?? fragte Alwine mit kritischem Blick. Fidi sah sie schuldbewusst an, ohne ihre Frage aber zu beantworten und sagte: ?Gäf mie man noch`n Tasss Koffee, den Schluck schmeer man up Rudolf sien Knee!? Dann setzte er sich auf die Trogkante. Das Schwein lag lang hingestreckt dort und man hatte das Gefühl, als starre es mit dem verbliebenen rechten Auge seinen Erlöser an. Diese gelungene Tötung des mössnerschen Hausschweins Heini fand statt im Februar 1956. www.juergen-schmidt-wilhelmshaven.net
Geändert am 10.7.2011 um 13.22 Uhr
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